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Parkway Drive, 23.09.2025 in Zürich
in Konzerte 24.09.2025 09:04von General •
leer | 2.029 Beiträge
Selten sind sie geworden, die Konzerte, die einen dazu bringen einen Bericht schreiben zu wollen.
Das liegt daran, dass man schon viel gesehen hat, aber auch daran, dass natürlich die Masse der Konzerte gut sind - aber auch 0815 mäßig abgespult werden.
Nun aber begab es sich am 23.09.2025 im Hallenstadion Zürich das Parkway Drive - die australische Krawallband Nummer 1 zu ihrem 20 jährigen Bestehen halt gemacht - und das gottverfluchte Städtli abgefackelt hat!
First things first - warum war ich überhaupt da?
2 Sachen standen auf meiner Weihnachtswunschliste zur Wahl. Parkway Drive (PWD) Zürich oder Joe Bonamassa Köln - beides wollte ich sehr gerne sehen, PWD bekam ich. Aus heutiger Sicht: Gott sei Dank!
Spoiler Alert: Wer das Konzert noch selbst erleben will liest lieber nicht weiter!!!
Parkway Drive ist ja nun eine Band, die in frühen Tagen schnellen aggressiven modernen Metal mit Core Elementen, Breakdowns, Screams und all dem gemacht hat. Über die Jahre ist die Band aber melodiöser, teils episch ausladend geworden ohne die Kernelemente des eigenen Sounds zu vernachlässigen: Brachiale C-Drop-Tuning-Riffs mit netten Melodien und klassischen Gitarrensoli ohne zuviel Schnörkel und Tamtam.
Das ist wichtig zu wissen, weil genau das die Grundlage für einen bombastischen Konzertabend ist!
Also zurück zum Konzert:
Vorbands "The Amity Affliction" und "Thy Art is Murder". Ersteres konnte man sich aus meiner Sicht sparen, Thy Art bieten pures brachiales Death Metal Gebolze. Das höre ich tatsächlich ab und an gerne - in Zürich musste ich aber feststellen, dass Thy Art live doch blank ziehen müssen und man merkt dass das hier eine Social Media Wellen Band ist. Damit meine ich einzelne Songs und Riffs sind unglaublich fett, aber das BOAH Gefühl verliert sich nach 1-2 Minuten, eben dann wenn man eigentlich weiter wischen würde. Solide Performance aber ohne Höhen und Tiefen und nach 40 Minuten ist auch echt wieder gut.
Dann gehts endlich los. Ein kurzer Trailer mit Pics aus 20 Jahren Bandgeschichte heißt uns ein. Toll!
Parkway "betreten" ein wenig verspätet die Bühne. Und hell yeah betreten meint hier dass die Band um Winston McCall mit wehender Fahne von ganz hinten quer durch die Menge/Halle marschiert und erstmal alle abklatscht, bevor man sich auf ein ca 5x5 Meter Podest vor der Bühne begibt. Und ja VOR DER BÜHNE! Der Platz darauf reicht gerade so, dass die komplette Band sich um das Schlagzeug rum verteilt und 2 Opener spielt. Das an sich ist schon einfach grandios. Dann aber stellen sich alle nebeneinander auf, Rücken zum Publikum, Blick zur - äh Bühne? - nein auf den riesigen Vorhang, auf den auf einmal ein Lichtstrahl blickt - Gänsehaut - BOOM! Der Vorhang knallt davon und der Blick auf das fette Bühnenset wird frei. Die "Brücke" vom Podest zur Bühne fährt runter. The Journey - the Quest! it begins!
Spätestens jetzt wird klar: Das wird ne ganz fette Nummer, wenn das schon so beginnt!
Es folgen relativ typische Sachen, die Band hat nun die ganze Bühne für sich (inkl. 2tem Schlagzeug, weil das erste war ja auf dem Podest :D) und nutzt fleißig ihre angestammten Positionen. So bewegen sich Sänger und Lead Gitarrist natürlich ständig zum Podest und wieder zurück, Tänzer gibts bei ein paar Liedern auch, die typischen Knall / Rauch / Feuer Effekte, alles dabei. Aber auch halt alles richtig gut gemacht.
Es folgen schnelle Knüppelsongs, Wall of Death, Circle Pit und Mosh Pit werden fleißig genutzt, die Menge ist heiß wie frisch geschmiedeter Kruppstahl.
Nun wären PWD nicht PWD wenn sich nicht auch neuere und melodischere Songs reinmischen würden. Wird alles solide vorgetragen, die Melodien von den Gitarristen und der Menge abgefeiert.
Und abfeiern das geht natürlich am Besten, wenn man den Gitarristen fürs Solo auf die Brücke stellt, die hochzieht und der Typ in luftiger Höhe ein gutes Solo abfetzt und damit die Funken runtersprühen. Geil! Btw bei Parkway Drive halten sich die Soli genau in dem Maße, das es nicht nervt, aber die Band trotzdem Luft holen kann. Die braucht sie auch.
Aber es geht natürlich noch weiter. Richtig gekonnt wird die Bühne nämlich später für andere Instrumentalisten eingesetzt (nein keine Gitarren, keine Bässe, anderes!). Und während man die Damen dort in Position bringt und die Bühne wieder nach oben bringt soll das Publikum natürlich abgelenkt sein. Das passiert so geschickt, dass ich es tatsächlich erwähnen will. Winston schleicht sich nämlich mitten ins Publikum und singt den nächsten Song von da aus, nur von einem Spotlight angeleuchtet. Dazu spielt Jeff der Leadgitarrist vom Podest vor der Brücke aus, ebenfalls angestrahlt. Den Rest der Bühne sieht man nicht wirklich - die Crew kann arbeiten. Richtig gut, wir werden nämlich konstant unterhalten, obwohl da logistisch und sicherheitstechnisch viel abläuft.
Dann - wie sollte es anders sein - Crowdsurfing von Winston zurück zur Bühne. Song aus!
Und Licht wieder an und da ist es das Streichensemble startet von der Brücke in luftiger Höhe aus den nächsten Song, Gitarren setzen ein und spielen zusammen mit den Geigen und dann gibt es noch ein goddamn Soloduell von Leadgitarre und Lead-äh....Cello? Ja fuck, wie gut das war.
Es gibt noch viel mehr so Momente, die alle dermaßen gekonnt platziert sind, dass es den Rahmen sprengen würde sie alle zu erzählen. (Kopfüberschlagzeug, Entzündung der gesamten Bühne zum großen Finale, Regen von oben - ja verdammt, Regen von oben!!!!, Akustikeinsätze, brennendes Logo von der Decke)
Knapp mehr als 2 Stunden können lang sein. Hier werden sie atemlos / fassungslos bestaunt. Mehr mehr mehr! Und immer kommt noch einer oben drauf. Ja wie das auch noch? Oh yeah Baby!
Letztes Beispiel für die Brillianz mit der das hier gemacht wurde: In einem Song steht am Ende ein episches (aber von der Länge genau richtiges) Solo an. Obwohl sich alles direkt vor uns abspielt schafft Jeff es irgendwie zum Podest nach vorne zu schleichen. WUMMS. Letzter Hit von den Drums - Millisekunde Stille - Licht aus - BÄMM! FEUER! Spot aufs Podest! Gitarrensolo in männlicher Pose! HELL YEAH!
Das Konzert endet wie es begonnen hat. Die Bühne bleibt zurück, die Band begibt sich aufs Podest und feiert den letzten Song ganz klein, fast schon privat mit uns in kleiner Runde. Dann ist alles vorbei.
Kurzum: PWD haben hier in Zürich dem Frosch die versenkten Locken aus dem Gesicht geföhnt. Ich hab noch NIE ein so geschickt und bombastisch inzeniertes Konzert erlebt oder als Live Aufnahme gesehen. Selbst bei den "großen Alten" nicht. Man könnte es vielleicht noch mit Rammstein vergleichen, aber irgendwie bleibt hier für mich mehr übrig. Vielleicht auch deswegen weil PWD doch eher eine "richtige" Core-Metal-Band mit Soli usw. sind.
Was PWD hier anlässlich des 20. abziehen sucht Ihres gleichen und bleibt für mich als das Beste zurück, was ich bisher erlebt habe. Hier war alles, einfach alles richtig richtig gut. Und die Band (auch schon alte Säcke!) haben die Meute mit Ihrer Energie einfach platt gewalzt.
Leute es war einfach grandios!
Jetzt Kaffee ... viel Kaffee!
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