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#1

Metalszene heute - was zum lesen und mitreden

in Keepers'n'Friends 13.12.2018 12:27
von Generalleer | 2.024 Beiträge

Das hier ist definitiv für jeden von uns mal lesenswürdig.

https://time-for-metal.eu/der-ewige-kamp...YJaKhyL-WFuyfoA

Und ich fasse mir da auch an die eigene Nase. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen Konzerte in der Nähe teilweise links liegen lassen.
Aber warum?


Ich denke der Artikel oben meint es gut, greift aber dann etwas zu kurz an den Stellen wo er tatsächlich das für sich identifizierte Problem in einem einzigen Wort benennt:
ÜBERANGEBOT.
Wenn man mal kurz - ohne fundiertes Fachwissen - darüber sinniert was das heißt, dann steckt doch in dem Wort, dass es soviel Angebot gibt, dass es die Nachfrage übersteigt.
Hä bitte was? Im Metal gibt es mehr Angebot als Nachfrage, ja umgedrehtes Kruzifix noch einmal, da fallen dem Kuttenträger und Metalclubanhänger doch direkt die fritierten Kartoffelprodukte von der entsprechenden Gabel!


Aber wie ist denn die Lage jetzt tatsächlich? Ich möchte hier mal meine Sicht und meine Situation (Schimpf und Schande über mich!!!) darlegen:
Ich gehe durchaus nicht zu jedem Konzert, wenn ich ins Z7 gehe, dann nur wenn mich die Band interessiert. Bei kleineren Konzerten in der Nähe gehe ich eigentlich immer ganz gerne hin wenn es a) der Beruf (hihi) und b) der Alltag mitsamt Frau, Tagesablauf, Freunden, Weihnachtsmärkten, Dinge die man daheim eben noch vorhat und Bequemlichkeit zulässt.
Und hier sehe ich ein Problem: Bequemlichkeit. Ja, man könnte durchaus mehr zu Konzerten gehen, dafür muss aber oftmals der Tagesablauf durcheinander geworfen werden und man muss sich eben arrangieren und aufraffen. Neben all dem was man sonst noch in seinem Leben muss.
Erst gestern gab es ein Konzert in Basel, organisiert durch die Bäsilisk Destroyers (ein Metal-Club aus der Schweiz, der primär Konzerte ausrichtet), wo mich zumindest der Headliner interessiert hätte. Aber ehrlich gesagt war es mir dann wieder zu blöd, weil halbe Stunde Anfahrt minimum nach Basel für mich, dann irgendwie noch Essen in meine Frau kriegen und im Endeffekt war ich von meinem sinnvollen Tageswerk gestern einfach zu platt, an einem Mittwochabend noch wegzugehen. So wichtig war mir der Headliner dann doch nicht. Schließlich treffe ich mich dann auch noch heute mit Freunden. Es geht halt nicht jeden Tag was.

Das war jetzt aber der persönliche Teil. Zurück zum Überangebot.
Oftmals weint man doch selber eher rum, dass es eigentlich in der Szene und Umgebung ja gar nix mehr gibt. Das mag dann auch stellenweise so sein, aber beleuchten wir das ein wenig genauer:

Die Bands:
Jeder hat seine Lieblingsbands und dann gibt es noch die ganz okay Bands und dann sucht doch jeder mal nach etwas Neuem. Und dann entdeckt man es: Das Überangebot. Ich persönlich suche nämlich immer gerne mal wieder nach neuen Künstlern und grase dann meine Lieblingslabels und News-Seiten und Facebook nach Neuem ab. Und ich sage euch: Das dauert! Und es ist anstrengend! Denn gefühlt kann man den ganzen Tag lang neue Bands hören und am Ende muss man mal ehrlich sein gefällt mir davon überhaupt nichts so gut, dass ich mich zu einem CD-Kauf entschließen würde.
Aber schicke Lyric-Videos, Album Teaser, EPs und zich Kommentare von Fanatischen Anhängern gibt es dann darunter.
Ergo fehlt es mir hier ein wenig an qualifiziertem Nachwuchs. Viel Neues, aber nix tolles oder anders ausgedrückt ein (mit einem augenzwinkern versehener) Spruch, den ich letztens mal häufiger ausgepackt habe: "Jedes gute Lied wurde bereits geschrieben".

So halten sich dann die Alben, denen ich entgegenfeiere wie früher sehr überschaubar. Mit über 800 Alben daheim hat man dann halt auch schon eine gute Auswahl. Und hier sehe ich einen Teil des Problems "Überangebot". Die Szene hat sich nämlich vom kleinen schmutzigen Nischenmarkt für eklige langhaarige Biertrinker hin zu einem professionellen Wirtschaftszweig gewandelt. Sprich man hat da auch den Reibach gewittert. Das mag jetzt erstmal für Bands gut sein, nie hatte man bessere Chancen sein Album in guter Qualität aufzunehmen und über große, seriöse und gut vernetzte Anbieter schnell an viele potentielle Kunden zu bringen. Aber die Marktwirtschaft schlägt hier mit ihrem eiskalten Stahlkugelschreiber zurück und der Druck auf die Bands wird immens vergrößert. Den der Markt will vorallem Gewinne optimieren und das heißt auch aggressiven Preiskampf.
Und am Rand vielleicht auch, dass vielleicht nicht jede Band, die da gepusht wird, tatsächlich toll ist und uns "alt-eingesessenen" überhaupt gefällt. Im Gegenteil, da ist sogar viel dumpfe und schlechte Scheisse dabei, die ich absolut nicht brauche. Aber die müllen ebenso die CD-Regale, Konzerthallen und vorallem die Nachrichten und hiervon speziell, die überhaupt für eine Person erfassbaren Neuigkeiten voll.
Heißt für mich ich kriege aus Marktwirtschaftlichen Gründen auch sehr viel Neuigkeiten von Bands mit, die mich nicht interessieren und schaffe es dann vielleicht nicht, mich über Dinge zu informieren, die wichtiger gewesen wären. Aber klar, dass ganze Social-Media-Shitstorm-Gedöns und Hashtag Gewitter gehört heute dazu, wenn man in diesen Ragnarök-gleichen Fluten aus der Masse irgendwie rausstechen will.

Kleines Beispiel gefällig: Eine norwegische Band, die ich tatsächlich gerne gesehen hätte ist auf Europatour. Und ich habe täglich mehre News über Konzerte in der Gegend und Aktivitäten von Bands in meinen Quellen. So auch an einem Tag, an dem die Band in der Schweiz auftrat. Leider wusste ich von dem Konzert in der Schweiz nichts, weil mir dafür anderer Mist für andere Konzerte, die mich nicht wirklich interessierten, angezeigt wurde. Und man hat dazu noch vergessen, dass Konzert in der Schweiz richtig zu bewerben. Während man nämlich alle anderen Tourdaten mit einer "Veranstaltung" im digitalen Kalender hatte, wurde das Schweiz-Konzert warum auch immer vergessen. Und ich hatte mich anhand dieser Daten informiert, wo die Band spielt und fand schon schade, dass man den Bereich hier auslies. Also habe ich auch den Beitrag der Band, dass man jetzt in die Schweiz fährt nicht bewusst gesehen in der massiven Reizüberflutung die man heutzutage hat, nur am nächsten Tag das obligatorische "That was great Switzerland"-Bildchen. Und beißte mir gar heftigst ins Gesäß.

Anderes Beispiel: Mich haben dieses Jahr vom größten deutschen Metal-Label (!!!) gerade einmal zwei Alben überhaupt interessiert (was nicht heißt, dass ich die schon gekauft habe). Das ist doch auch arm, aber es sind dort auch viele (scheiss-)Alben rausgekommen. Ich habe oftmals auch den Eindruck, dass man dort inzwischen nur noch den ominösen breiten Geschmack bedienen will und seichtgespülte und gequierlte Kacke auf Tonträger presst um wieder mal Profit zu machen.

Die Clubs:
Ich denke mal es gibt hier selten ein Überangebot. Es gibt ein paar Clubs, die ab und an mal ein Konzert veranstalten. Leider sterben die jetzt sogar noch mehr aus, was ja auch der Hauptanlass für den Artikel oben war. Aber es gibt zumindest noch ein paar. Klar wer nur in einer Stadt lebt, für den ist das tragischer, weil man dort vor Ort in seine Stammlokalität geht, ich muss aber von Pratteln über Basel, Lörrach und Freiburg eh immer wo anders hin (hat hier jemand scheiss Nahverkehr gesagt?). Und dann sind die Konzerte auch meist eher sporadisch und selten verteilt. Dafür geht es mir dann gewaltig gegen den Strich, wenn wie neulich geschehen gleich 3 coole Konzerte in 30 min Auto Reichweite an einem Tag stattfinden.

Was dann hier eher vielleicht noch reinspielt ist einfach die modernde (nicht zu verwechseln mit moderne) Kultur. Früher war alles besser. Und jetzt könnte man hier abbrechen und ein hochwissenschaftliches Buch mit 1000 Seiten weiterempfehlen oder eine nie endende Diskussion starten aber auf einen Nenner kann man sich doch vielleicht einigen: Es ist anders geworden. Leistungsdruck, Effiziensstreben und maximale globale Marktwirtschaft halten in jedem Bereich Einzug. Die Wirtschaft ist sehr gut darin geworden alles an Geld und Leistung aus ihren Ressourcen abzuschöpfen. Die Digitalisierung und politische Lage Europas tun ihr Übriges um den Konsumenten geistig und körperlich zu destabilisieren und heraus kommt eine moderne Gesellschaft, die zwar im Überfluss lebt, aber sich kaum noch wirklich glücklich fühlt. In der die Spanne zwischen Quasi-kein-Geld für absolut beschissene und harte Jobs (siehe Tanjas Beitrag oje oje) und irrwitzig, horrende Summen für lächerliche und ausbeuterische Arbeit (Tuber, Blogger, Vorstände, Wirtschaftsberater, esoterische Mist-Maden) immer weiter auseinander klafft. Und die einzelne Person weiß gar nicht mehr wohin vor Arbeit, Überflutung mit digitalen und unnötigen Reizen und dem irrwitziger Überangebot an allen Dingen (auch Metal), die einen schier erschlagen.
Leidtragende sind ja hier nicht nur unsere Lieblingsszene sondern ebenso "Das Ehrenamt", das Handwerk, Musikgeschäfte wie DDD in Freiburg, die dem Konkurrenzdruck der globalen Wirtschaft niemals mehr standhalten können, die Umwelt und nicht zuletzt unsere kulturhistorische Identität (AFD-hurra an dieser Stelle ;P) Keiner weiß genau wo sich der Mensch eigentlich in diesem Umfeld hinentwickeln soll, klar ist nur alles wird anders, aber nicht unbedingt besser. Daher kämpfen ja auch so viele gegen die aktuellen Zustände.

Das würzen wir jetzt noch mit dem sehr modernen "alles schon gesehen und alles schon gehört"- Gefühl. All diese Umstände befeuern für mich die Lethargie der Szene, sich zu Konzerten zu schleifen, CDs zu kaufen oder überhaupt mal ein Bier zu trinken. Und das treibt ganz klar die Leute in die Arme der Alten Götter. Ich kenne die Band schließlich seit 30 Jahren und weiß das sie gut sind und liefern. Ich brauche nicht darüber nachzudenken, also schleife ich mich hin und zahle dafür auch 150€ + 7€/Bier. Bei einem kleinen Gig für 10€ müsste ich mich ja noch geistig anstrengen, ob mir die Musik gefällt und dann vielleicht noch eine CD kaufen und die dann auch daheim noch hören. Aber schluss mit meinem esoterischen Erguss für diesen Teil.


Kommen wir zu einem anderen Aspekt dieses Artikels:

So mal darüber nachgedacht wäre dann ja eigentlich das Ziel des Clubs schon erreicht, die Szene zu fördern durch mehr Metal (kurzum). Das eigentliche wäre ja dann, dass es mehr Hörer und Konzertgänger braucht und nicht Bands und Gigs. Aber wie will man die generieren? Vermutlich in dem man mehr Mitglieder generiert und diese bier-freiwillig zu Konzerten animiert und mitschleift.
Mir kommt da eher die Vision, dass es vielleicht Aufgabe eines Clubs sein könnte, nicht nur selbst Veranstaltungen mit hohem Krafteinsatz anzubieten, sondern mit (vielleicht nicht minder hohem Krafteinsatz) einen Einstieg und einen Überblick über die regionale Szene zu bieten. à la wer sind hier die wichtigsten regionalen Bands, wer ist gerade im Aufschwung, wo spielen die hier demnächst. Wo tritt welche andere Band sonstwann auf, selektiert auch nach unserem jeweiligen Interessegrad - man will ja nicht jede psycho-rock-hiphop-mix kombo unterstützen.
Abgerundet durch jeweilige Reviews oder Erfahrungsberichte, wie denn die neuen Scheiben so sind oder das Konzert war, damit wir die jeweiligen Menschen bei ihrem "vermüllen" der social media Dienste noch unterstützen können.
Finanziert durch Werbung oder kleinere Trinkgelage samt Vorstellen der neuen heißen Scheisse oder so.

Wichtig hierbei ist wieder der kleine aber feine Grad nicht zu einem demotivierenden und Leute vergraulenden Überangebot zu mutieren.

Anm.: Das ist ein Denkanschub und kein wir sagen uns auf jeden Fall von eigenen Konzerten los.


Kommen wir daher mal kurz zum Ende, um diesen Beitrag, der eigentlich nur ein kurzes "Hey lest euch das mal durch" werden sollte, abzuschließen:
Ja es gibt ein Überangebot und auch ich beobachte Veränderungen in der Szene, die stellenweise einem Aussterben gleich kommen, obwohl so unglaublich viele Bands und neuer Scheiss direkt aus dem Hades emporsteigt, dass man niemals im Leben einen Überblick darüber behalten könnte.
Was jedoch möglich ist und ein jeder von uns denke ich auch gerne tut ist die örtlichen Underground-Gigs für einen Zehner zu besuchen und sich neue kleine und regionale Kapellen reinzuziehen. Ggf. kann man sich hier als Club auch noch darauf (anders) ausrichten.
Das Problem der Bequemlichkeit muss ich für mich mal wieder angehen, aber das gelingt auch nur dann, wenn einen die ganze Scheisse drum herum mal loslässt und das Event einen anlockt. Zumindest gucke ich mir die Bands an und lasse dafür lieber Gespräche am Abend hinten anstehen. Darum unterhalte ich mich auch generell nicht gerne vor der Bühne an solchen Abenden und treffe mich lieber sonstwo nochmal mit den Menschen, die ich mag. So dass man richtig reden kann und nicht Eintritt bezahlt und dann nix sieht, also nichts persönliches Freunde!

Ich würde mich echt freuen, wenn ihr euch auch den Artikel oben durchlest und vielleicht zumindest auch einen Teil meines Ergusses. Und noch mehr wenn ihr dann vielleicht Lust habt in die Diskussion mit einzusteigen, da ich mir tatsächlich nie sicher bin, ob das oben geschrieben nicht vielleicht einfach nur mein kleiner Blick aus dem Plattenspieler hinaus ist und ich nicht vielleicht nur aus Frust alles falsch sehe.

Cheerz,
euer General


Open Fire!
zuletzt bearbeitet 13.12.2018 12:30 | nach oben springen

#2

RE: Metalszene heute - was zum lesen und mitreden

in Keepers'n'Friends 13.12.2018 13:25
von zahni1974Katzenhafter Wasserfurz | 1.607 Beiträge

Ein grosses Problem der heutigen Konzerte ist mMn der Preis - ich glaub ich, resp. das Chapter DU war dieses Jahr nur auf 2 "größeren" Konzerten - Anfang des Jahres bei Rage (bezahlt) und kürzlich bei Magnum (Karte im Preisausschreiben gewonnen) - zu Magnum wäre ich ohne den Gewinn zu
100 % nicht hingegangen - weil etwas über 40 € was mir persönlich einfach zu teuer ist.

Andere Konzerte in Reichweite scheitern dann meist an der Lokalität (hier vor allem die berüchtigte Turbinenhalle zu Oberhausen- Dreckspuff !!!)


Ansonsten waren Tanja und ich eigentlich nur bei kleineren Gigs zB im Helvete oder in Wuppertal zu einem Deaf Forever Forums Konzert
und bei Festivals das MISE und unser SYSL Festival im Rahmen der DIN-Tage (Stadtfest Dinslaken) das RHF ist hier schon das größte Event gewesen (auch hier bin ich ob des für dieses Jahr aufgerufenen Preises nahe dem Ende meiner persönlichen Fahnenstange was den von mir akzeptierten Preisrahmen betrifft und ich mache mir tatsächlich Gedanken, dass 2019 meine letzte Teilnahme dort sein könnte ….)


Irgendwie macht's schon auch wesentlich mehr Spaß auf den kleineren Gigs - billigeres Bier - schlanke Merchpreise und man kann auch vor oder nach den Auftritten entspannt mit den Bands schnacken.

Konzerte unter der Woche sind auch nicht mehr so meins - gerade zu der Jahreszeit gehen Leute meines Alters ja schon fast ins Bett bevor die Bands dann anfangen zu Zocken.

Und zu dem Übernagebot: ja, das ist definitiv so - ich bin ja recht umtriebig im DF Forum und was hier so abseits der "großen Namen" noch so vorgestellt wird ist schon abartig ob der schieren Masse ……

Hier hilft also nur persönliches selektieren was sowohl Tonträger als auch Konzerte / Festivals angeht.

Ich hatte ja btw vor bei uns ums Eck n Vereinsheim für ne Club-Sause zu mieten, aber wenn ich mir so den Rahmentermin-Kalender und die Wege der potentiellen Gäste anschaue komm ich nicht wirklich zu einem Termin der rechtfertigen würde da konkret was anzugehen....

Da ich inzwischen den roten Faden längst verloren hab den ich mir vor Beginn meines Pamphlets zurechtgeklempnert hab, lasse ich dann auch hier mal gut sein.

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